· 

Tag 2 – Der erste Elch

Der Wild Nature Campground ist, was die Wildness der Nature angeht, noch ausbaufähig. Die Gegend in und um Shubenacadie besteht hauptsächlich aus Farmland mit ein bisschen Fluss, ein bisschen Wald und ein bisschen Besiedelung. Ein Großteil des Campingplatzes wird gerade umgebaut bzw. erweitert, wie der Besitzer uns entschuldigend mitteilt.

Es sieht tatsächlich ein bisschen nach Baustelle aus. Der Chef fährt in seinem golf cart kreuz und quer über den Platz um Rohre von A nach B zu transportieren während einige juvenile Helfer*innen mit Traktor und Anhänger herumdengeln um Grasmatten auf zuvor umgegrabene Erde zu betten. Viele der angegebenen Features der Anlage (Außenwaschbecken zum Geschirrspülen, Spielplatz für Kinder, etc.) befinden sich noch in der Mache, was an und für sich ja in Ordnung ist, den „very good price!“ von über $30 pro Nacht aber in ein anderes Licht rückt, wie wir im späteren Vergleich feststellen werden.

JoMo zwischen seinen großen Vettern.

Ansonsten ist es aber recht angenehm und ruhig, da vieler der Dauercampenden ihre fest installierten Flugzeugträger noch nicht bezogen haben. Unser (sehr netter!) direkter Nachbar stößt im Laufe des Tages dazu und mäht galanterweise seinen Rasen erst, als wir mit Baby ToJo einen Ausflug machen, um den eventuellen Schlaf nicht zu stören. The Nova Scottish way of camping auf der eigenen Parzelle erinnert an eine Mischung aus deutschem Schrebergartentum und englischer Landhaus-Pflege. Wobei auch das Wetter der Schwester Schottland in nichts nachsteht. Milde Sonne und leichter Regen im ständigen Reigen.

Küchenparty.

Gut genug für uns um den nahegelegenen Shubenacadie Wildlife Park zu erkunden! In diesem Zuge wird die neue Kindertrage (vulgo: Kraxe) das erste Mal zum Einsatz gebracht und von Baby ToJo nach kurzer Skepsis scheinbar auch goutiert: Wie in einer Sänfte mit Sonnendach thront sie auf Papas Rücken über den Dingen und hat den perfekten Rundblick auf alles Spannende.

Im Park, der tatsächlich eine Art kleiner, unaufgeregter, schön angelegter Zoo ist, sehen wir viele Vögel, Otter, Füchse, Rentiere, Wölfe, Bären und – den ersten Elch der Reise! Zugegeben, so im Tierpark im Stall hinter einem vergitterten Fenster ist es nicht unbedingt die Art von Elch-Begegnung, die eine volle Punktzahl auf der Wildnis-Abenteuer-Skala verzeichnet. Aber einen Eindruck von Schönheit und Größe dieser Tiere bekommen wir auch so.*

Jetzt wird's wild …

Zurück auf dem Campground stellen wir zum wiederholten Male fest, dass die heteronormativen Zuschreibungen bei Kindern in Sachen Kleidung (blau bzw. dunkel = Junge, rot/rosa bzw. hell = Mädchen) zumindest in der westlichen Welt landesunabhängig fest etabliert sind. Fast jeder Mensch, mit dem wir ins Gespräch kommen, hält Baby ToJo für einen „boy, because of the blue shirt/pants/sweater/scarf …“ – meistens korrigieren wir nicht (anders als z.B. Tywin Lannister).

Apropos Korrekturen: Jo arbeitet im Verlauf der Tages noch ein bisschen während das Baby und Tim einen kleinen See in der Nähe erkunden und herausfinden, warum unsere erste Station tatsächlich „Wild" Nature Campground heißt:

"A true camper through and through …"

So neigt sich dieser erste Camping-Tag gen Ende und am folgenden soll es schnellen Reifens Richtung Westen gehen!

*Standard disclaimer: Dem Autor ist bewusst, dass die Tiere auf dem Vorschau-Bild dieses Artikels Rentiere und keine Elche sind. In Kombination mit der Überschrift ist das zugegebenermaßen irreführend aber es ging bei letzterer in erster Linie um click bait und bei dem Foto um die air condition. Den gefangenen Elch wollten wir nicht photographieren.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0