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Die Vorbereitungen

Mit dem eigenen Wohnmobil von Europa nach Nordamerika zu reisen ist in einer durch und durch globalisierten Welt, wo wir gottlob mit den meisten Nationen (besonders jenen der nord-westlichen Hemisphäre!) mittels irgendeiner Art von Bündnis (militärischer oder wirtschaftlicher Couleur) auf freundschaftliche (man möchte sagen: brüderliche) Art und Weise verbandelt sind überhaupt kein Problem und bloß eine Formalität verwaltungstechnischer Art – sollte man meinen!

 

Doch – haha! – weit gefehlt!

 

Die Verschiffung nach sowie die Nutzung des eigenen fahrbaren Untersatzes in den USA oder Kanada erscheint als eine der letzten Bastionen wirklichen Oldschool-Globetrotterisms, der sich nicht damit abfinden will, Globalisierung nur im digitalen oder warenwirtschaftlichen Raum zu erleben.

 

Denn hierbei stößt man in einer Welt, die mir gerne ermöglichen möchte, noch beim Verlassen meines Pets-and-Owners-Zumba-Kurses mit einem Swipe eine Unterkunft (günstigstenfalls eine, die mit Haltetauen an einem Gebirgsmassiv befestigt ist) zu mieten, hernach mein Device in die Luft zu halten, woraufhin ein führerloses Auto angefahren kommt, welches mich – während ich einen Quinoa-Burger mit Retortenfleisch und Gurken-Pommes verspeise, den mir die Amazon-Fresh-Drohne durch das Fenster reicht – zum Flughafen fährt, wo das Flugtaxi von TESLA wartet, welches mich an meinen Zielort bringt, wo ich direkt meine neuen Freunde treffe, dich mich von den Fotos her kennen, die ich in den letzten Stunden auf meiner Reise geschossen und hochgeladen habe, und welche sie ziemlich blombo (von mir just erfundenes Zukunftswort als Ausdruck der absoluten Lässigkeit) fanden, weshalb sie direkt meine Freunde geworden sind, was auch super passt, da wir mittels Gen-Sequenzanalyse bereits online festgestellt haben, dass wir ein etwa 92%iges Match sind … man ahnt wohin dies führt … man stößt also in dieser Welt, die uns umgibt, an die Grenzen staatenübergreifender Kollaboration, wenn man nicht etwa einfach ein schickes 7,5 t-Recreational Vehicle auf dem amerikanischen Kontinent anmietet – wie das von der Natur ja wohl vorgesehen ist – sondern gleich einem arbeitsfaulen und äußerstensfalls steuerflüchtigen Frühpensionär seine eigene Laube-On-Wheels über die Highways steuern möchte.

 

Dieses Procedere ist offensichtlich so gar nicht mit dem globalen Konzept des BUY!-BUY!-BUY! (oder dessen Eleven: SHARE!-SHARE!-SHARE!) vereinbar, denn wo anderweitig simple Swipes, schnelle Selfies zur Gesichtserkennung, und Klicks auf Kästchen für AGB und DSE – die ohnehin kein Mensch liest – für Beschleunigung sorgen, so gerät die transatlantische Wohnmobil-Verschiffung zu einer Art administrativer Schnitzeljagd, bei der man lieber ein Schokoladentäfelchen extra für das eigene Belohnungszentrum in Reserve haben sollte. 

 

Die folgende Auflistung soll nicht nur der Dokumentation dienen sondern auch der Orientierung. Wir hatten einige Mühe, uns alle nötigen Informationen, die für unsere speziellen Anforderungen wichtig waren, aus den verschiedenen Winkeln des Interwebs zusammen zu suchen. Für Nachahmer gibt es hier nun auf einem Haufen alle uns wichtig erscheinenden Punkte im Vorfeld einer solchen Reise. Was sich davon als tatsächlich veritabel und in der Praxis bzw. im Nachhinein sinnvoll herausstellen wird, kann in den kommenden Wochen hier auf dem Blog verfolgt werden. ¡Empezamos! – wie der Kanadier sagt.

 

 

Inhalt

 

1. Voraussetzung

2. Verschiffung

  2.1 Kinderreisepass

  2.3 Führerschein(e)

  2.4 Zulassung

  2.5 Visa

  2.6 SeaBridge

    2.6.1 Volumen

    2.6.2 Innen

    2.6.3 Gas

    2.6.4 Aussen

    2.6.5 Ablieferung

3. Versicherung

  3.1 KFZ-Versicherung

  3.2 Reisekrankenversicherung

  3.4 Transportversicherung

  3.5 Auto-Baby-Sitz

4. Versorgung

  4.1 Nahrung

  4.2 Wasser

  4.3 Diesel 

  4.4 Strom

  4.5 Gas

  4.6 Internet

  4.7 Auto-Reperatur

  4.8 Übernachten

VORAUSSETZUNG

Wir werden mit einem ausgebauten Citroën Jumper (Diesel) zu zweit sowie unserer bei Abfahrt 9 Monate alten Tochter für 3 Monate nach und durch Kanada reisen. Dabei werden wir nicht die Grenze zu den USA übertreten (was noch um einiges komplexere Verfahren vor und nach sich ziehen würde.

 

Unser Pössl-Ausbau umfasst neben der Standard-Einrichtung folgende Features:

- Solarzelle auf dem Dach, um die 12V-Wohnraumbatterie aufzuladen – wir sind also einigermaßen autark

- Thetford Cassettentoilette – wir laufen also mit Handschuhen und Nasenklammer zur Kloake

- Propangasflaschen-Einbau (wynen-gas) mit 11kg (22 l) für Heizung, Herd und Kühlschrank (Standbetrieb) – Gas wird nicht zum Fahren benutzt!

 

Ich schreibe das, weil die verschiedensten Ausbauten und Features natürlich andere Anforderungen an eine solche Reise stellen. Im Vergleich dazu, was andere Menschen so in ihren Schlachtschiffen verbauen, haben wir eine ziemlich übersichtliche und abgespeckte Version.

JoMo um Sylvester 16/17 im Spreewald.

Verschiffung

Kinderreisepass

Man braucht ihn auch bei Inlandsflügen und für transatlantische Unternehmungen sowieso. Ist relativ simpel, bekommt man beim Termin direkt ausgestellt. Einzige Herausforderung: Von einem 28-Wochen-Stöpsel ein biometrisches Foto hinbekommen. 

 

Führerschein(e)

Ein internationaler Führerschein ist Voraussetzung für eine KFZ-Versicherung auf dem nordamerikanischen Kontinent, welche wiederum Voraussetzung für den Transport ist. Auch den bekommt man in der Regel sofort ausgehändigt. Achtung: Sofern man noch einen richtigen Lappen (keinen Karten-Führerschein) besitzt, muss letzterer direkt mit beantragt werden, was natürlich wieder länger dauert!

 

Zulassung

Auf das Thema Internationale Zulassung sind wir erst (zu) spät gestoßen. Allerdings wird sie weder von der Verschiffungs-Agentur noch vom Versicherer vorausgesetzt/erwähnt. In einigen Foren wird sie empfohlen, da es bei einer Polizei-Kontrolle oder bei Werkstatt-Aufenthalten drüben die Dinge wohl vereinfacht/beschleunigt. Nun ja, in Berlin wäre eine persönliche Vorsprache bei der KFZ-Zulassungsbehörde in Lichtenberg erforderlich gewesen und dafür hat nun wirklich niemand Zeit. 

 

Visa

eTA – analog zum ESTA in den USA. Im Gegensatz dazu allerdings 6 Monate gültig. Wird ebenso online beantragt und ging bei uns ebenso problemlos. Musste bei der Frage nach Vorstrafen im Antrag von Baby ToJo (8 Monate) ein wenig überlegen, habe mich dann aber entschieden das systematische vom-Teller-Aufklauben und über-dem-Boden-fallen-lassen von Essen sowie das wiederholte Defäkieren auf die heimischen Dielen als Kavaliersdelikt durchgehen zu lassen. 

 

SeaBridge

Und jetzt beginnt der Spaß! Es gibt ein recht überschaubares Angebot von Agenturen, welche die Verschiffung von Wohnmobilen über die Ozeane organisieren. Der für uns am sympathischsten und seriösesten wirkende (und in diversen Foren empfohlene) Player am Markt ist SeaBridge.

 

Man stellt eine Anfrage und bekommt ein Angebot, auf welches, so man es annimmt, eine Mappe mit sehr, sehr, sehr vielen to-dos folgt. SeaBridge erläutert außerdem, dass die reine Möglichkeit der privaten Wohnmobil-Verschiffung mit all den mittlerweile erreichten Annehmlichkeiten auf einem jahrelangen sanften Dialog mit Spediteuren und Reedereien beruht. Die mannigfaltigen Ausprägungen internationaler Zoll-Vorschriften und Seehandels-Vorgänge wurden und werden von SeaBridge soweit destilliert und übernommen, dass für die tapfere Camping Van-Nutzer*in lediglich ein angenommenes Minimum an Formalitäten übrig bleibt. Aber schon das bedarf einiger Aufmerksamkeit und (zumindest bei Neurotikern wie mir) struktureller Checklisten-Führung.

 

Jo ist also die Ansprechpartnerin für SeaBridge, wir übernehmen gemeinsam die Vorbereitungen und ich bin für die Abgabe am Hamburger Hafen zuständig.

 

Volumen

Zunächst mal bauen wir den Fahrrad-Heckträger ab, denn der Preis der Verschiffung richtet sich nicht etwa nach Gewicht sondern nach Volumen – und da zählt jeder Centimeter. Dabei stellen wir auch gleich fest, dass das gute Stück nicht etwa durch einen praktischen Mechanimsus zum schnellen Ab- und wieder Anmontieren an JoMo befästigt ist, sondern für die Ewigkeit dort eingefräst wurde, was sich u.a. durch grobe Bohrlöcher in der Hecktür und bis zur Unkenntlichkeit korrodierte Schrauben zeigt. Der finale Schritt der Demontage verlangt schließlich nach roher Gewalt, so dass wir uns für zukünftige Fahrradtouren mit JoMo ein neues Tragesystem werden überlegen müssen. Und es liegen nun etwa 12 kg versifftes Aluminium in unserer Wohnung …

 

Innen

Dann wird JoMo einmal komplett ausgeräumt, grundgereinigt und mit dem wirklich Notwendigen für die Tour wieder befüllt. Unglaublich, wie viel Gedöns man in seinem Auto (analog zur eigenen Wohnung) über die Jahre ansammeln kann. Außerdem muss das Fahrzeug für die Verschiffung "blickleer" sein – d.h. alles wird unsichtbar in den Schränken bzw. im Heck verstaut und jede Form von Personalisierung entfernt.

 

In diesem Zuge bauen wir auch das Autoradio aus, was nicht nur ein Sicherheitsaspekt sondern in unserem Fall auch ein glücklicher Zufall ist, da wir so erstmalig feststellen, dass

 

a) der "Ausbau" des Radios mittels simplem Klappmechanismus erfolgt

 

und

 

b) sich hinter dem ausgeklappten Radio das CD-Einschiebefach befindet, von dem wir seit 3 Jahren keine Ahnung haben, dass es da ist.

Der Monitor der Rückfahrkamera lässt sich leider nicht entfernen, so dass wir einfach darauf hoffen müssen, dass der von der Reise gelangweilte und auf den schnellen Kick versessene Frachtschiffmatrose beim schnellen Blick in das unschuldige Wohnmobil nicht beschließt, just diesen Monitor gewinnbringend wieder in den Warenumlauf einzugliedern und mitsamt Kabel aus der Verankerung zu reißen. SeaBridge weist wiederholt explizit auf die – nach Nordamerika seltene und doch existente – Gefahr von Diebstählen in den Wohnmobilen hin. Aber weil auch wir gefährlich leben wollen, verstauen wir dennoch einige Dinge, die wir partout nicht schleppen möchten (wie Jos hochwertiges und also gewichtiges Fernglas [wegen der Bären und so …]), in einem Geheimfach. Falls Du das hier liest, Frachtschiffmatrosen-Dieb: Gib Dir keine Mühe, Du wirst es niemals finden!

 

Gas

Eine besondere Herausforderung stellt das obligatorische Leeren der Gasflasche dar. SeaBridge erwähnt diesen Aspekt mehrmals und wie bei vielen anderen Punkten droht bei Nicht-Einhaltung entweder die Nicht-Verschiffung oder entsprechend unverhältnismäßig teurere Zuzahlungen an den Häfen. Nun hatten verantwortungsbewusste Menschen, denen wir das JoMo jüngst für eine Reise geliehen hatten, nach Beendigung ebenjener Reise die Gasbuddel wieder bis zum Anschlag gefüllt. Seitdem haben wir sie nicht benutzt und leider kann man bei einer verbauten Flasche auch nicht einfach den Hahn aufdrehen und laufen lassen.

 

So beginnen wir also 3 Tage vor dem Verschiffungstermin damit, die Heizung voll aufzudrehen und den Kühlschrank bei offener Tür laufen zu lassen. Allerdings besitzt die Heizung einen Temperaturfühler und da sowohl tags als auch nachts aktuell steigende Temperaturen zu verzeichnen sind, springt die tapfere Heizung leider nicht so dauerhaft an wie wir uns das vorstellen. An Tag 2 beschließen wir, zusätzlich noch den Gasherd anzufachen. Da ein alleine laufender Gasherd im verschlossenen Wohnmobil sogar uns zu Evil Knievel ist, opfert sich Jo und setzt sich bei ohnehin 25 Grad im Schatten zum Arbeiten in das muggelige JoMo, in dem die Heizung bollert und die Gasflammen lustig züngeln.

 

Doch alles Mühen reicht leider nicht und am Morgen des Abfahrtstages befindet sich immer noch Restgas in der Flasche. Die Sorge, vom Hafenmeister mit einem souveränen "Nee, nee, nee, mien Jung. So kömmt mi dien Koor nich op mien Schipp!" der Landungsbrücken verwiesen zu werden ist größer als die Sorge, bei voll aufgedrehter Heizung und Gasherd über die Autobahn zu fahren. Auf der Hälfte der Strecke von Berlin nach Hamburg zeigt zumindest die Heizung schon mal eine Unterbrechung der Gaszufuhr an und nach dem Waschvorgang in der Hansestadt gibt auch der Herd nur noch ein Glucksen von sich.

 

Trotzdem scheinen sich immer noch letzte Gas-Partikel in den Leitungen zu formieren, denn als ich vor dem Hafen alles noch einmal prüfe, lässt sich der Herd wieder kurzzeitig entflammen. Verdammte Axt! So verbringe ich jede sich bietende Gelegenheit während der Auto-Abnahme heimlich vor dem Herd und brenne Rest-Gas ab … Was soll ich sagen, es hat im Endeffekt niemand auch nur nach dem Gas gefragt.

Bei der Rückverschiffung drohen angeblich strengere Kontrollen durch die kanadischen Behörden, sogar von (selbstverständlich kostenintensiven) Spülungen der Gasflasche ist die Rede. Sicher ist man sich allerdings nirgends, das Wort "stichprobenartig" ist die verlässlichste Annäherung an die Wahrheit. Wir werden sehen.

 

Aussen

Was allerdings definitiv abgenommen wird, ist der Sauberkeitszustand des Autos, weshalb ich in Hamburg die oben genannte Aussenwäsche bei Clean&Green durchführen lasse. Besonders hervorgehoben wird durch SeaBridge die Unterbodenreinigung. Nach Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Europa vor ein paar Jahren darf kein Gramm europäischer Erde mehr den nordamerikanischen Kontinent erreichen. Daher wird am Hafen (nach Abgabe des Autos) eine (im SeaBridge-Preis inbegriffene) Unterbodendesinfektion durchgeführt. Man ist allerdings dafür verantwortlich, dass der Unterboden des Fahrzeugs schon vorher porentief rein ist, da die Desinfektion keine festeren Erdklumpen o.ä. entfernen werde. Sollte im Zuge der Verschiffung dennoch euraischer Grund und Boden als blinder Passagier entdeckt werden, steht eine (selbstverständlich im oberen Preissegment rangierende) erneute Unterbodenreinigung an. Ich hab jedenfalls keine Erdklumpen entdeckt. Wenn der Frachtschiffmatrose Humor hat, wird er nach Entwenden unseres Rückfahrkamera-Monitors noch heimlich etwas heimischen Humus in die Radkästen bappen. 

 

Ablieferung

Hat man also alle genannten sowie die an dieser Stelle nicht weiter ausgeführten Punkte abgearbeitet, begibt man sich in einem recht stramm getakteten Zeitfenster nach Hamburg, um das geliebte Vehikel nicht zu früh (weil Hafen-Standgebühr), nicht zu spät (weil Schiff sonst weg) und am besten innerhalb der Bürozeiten von SeaBridge (wegen eventueller Probleme) im Hafen abzuliefern. 

Also auf nach Kleiner Grasbrook – ein Stadtteil der Container, der Brachen und der gescheiterten Olympia-Bewerbung. Dort wird man von SeaBridge mittels eines zugegebenermaßen äußerst liebevoll und detailliert gestalteten Laufzettels durch den Ablauf gelotst. Ohne jegliche dramatische Überhöhung gestaltet sich der Ablauf wie folgt:

 

 

– Fahren Sie durch die postapokalyptisch anmutende Industrie-Landschaft von Kleiner Grasbrook und suchen Sie den O'Swaldkai (augenscheinlich der Bruder vom Skandinavienkai in Travemünde).

– Parken Sie am O'Swaldkai auf dem Gelände der UNIKAI (der Schlaueste unter den Brüdern …).

– Legen am Besten bereits jetzt Ihre Warnweste an. #nowarnwestenoservice

– Suchen Sie Schuppen 48 (wie der Name bereits andeutet ein 2-stöckiges Bürogebäude im Stil eines trostlosen Finanzamtes nebst Zoll-Schranke).

–  Legen Sie bitte jetzt Ihre Warnweste an. #nowarnwestenoserviceatall

– Ziehen Sie im Schuppen 48 eine Wartenummer für Fahrzeuge. (Really? Internationale See-Spedition und ich ziehe eine Wartenummer? Also doch Finanzamt …) Machen Sie in jedem Fall glaubhaft klar, dass Sie keine Bananen geladen haben! Bananen benötigen einen ganzen Aktenschrank an Sonder-Formularen, da täten Ihnen aber die Ohren schlackern …

– Besorgen Sie sodann den gelben Passierschein zur Einfahrt in den Hafenbereich.

– Halten Sie dort Ausschau nach dem kleinen weißen Container (???) und Parken Sie Ihr Fahrzeug zwischen ausrangierten Schulbussen voller Kissen und Decken, fabrikneuen Ambulanzen mit arabischen Schriftzeichen und mehreren hundert Sattelschleppern.

– Legen Sie definitiv jetzt Ihre Warnweste an! #nowarnwestenoservicewhatsoever

– Warten Sie auf den Mann aus dem weißen Cotainer, der die Fahrgestell-Nummer prüft, eine Markierung auf's Auto packt und sodann den Checker ruft. 

– Schwitzen Sie bei sommerlichen 30 Grad in Ihrer Warnweste, während der Checker Ihr Auto umrundet und abnimmt.

– Erhalten Sie die Schadensmeldung, werfen Sie einen letzten sehnsuchtsvollen Blick auf Ihr Auto und suchen Sie den Ausgang.

– PS: Denken Sie unbedingt erst auf dem Hamburger Hauptbahnhof daran, Ihre Warnweste abzulegen, die so gar nicht mit dem Rest Ihres Outfist harmonieren mag …

 

JoMo nach erfolgreicher Ablieferung.

OFFENLEGUNG: Die Vorgänge im Zuge der Verschiffung wurden aus dramaturgischen Gründen möglicherweise an einigen Stellen mit einer gewissen Form von Ausschmückung versehen. Tatsache ist, dass wir mit SeaBridge bis jetzt (Stand: 24.05.18) eine absolut zuverlässige und kompetente Abwicklung erlebt haben. Die Hinweise zur Ablieferung in Hamburg sowie zur Abholung in Halifax waren äußerst hilfreich und wir fühlten uns gut vorbereitet.

 Sämtliche Mitarbeiter, mit denen ich im Rahmen der Ablieferung bei UNIKAI in Hamburg zu tun hatte, waren unglaublich freundlich, hilfsbereit und haben sich inmitten des Trubels internationaler Speditionsgeschäfte an einem Industrie-Hafen jeweils noch die Zeit genommen, mir einen schönen Aufenthalt und viel Spaß mit dem eigenen Camper in Kanada zu wünschen! Manchmal bin ich wirklich froh, dass Hamburg am Meer liegt und nicht Berlin …

Versicherung

KFZ-Versicherung

Wie bereits erwähnt ist eine nordamerikanische KFZ-Versicherung obligatorisch. Praktischerweise haben diverse Anbieter im vergangenen Jahr just ihre Bestimmungen geändert. Bei dem einen kann man keine europäischen Wohnmobile mehr versichern sondern nurmehr solche aus allen anderen Staaten, bei dem anderen kann man keine europäischen Wohnmobile mehr versichern sondern nurmehr PKW, beim dritten kann man überhaupt nix mehr versichern, was nicht aus den USA kommt und so weiter …

Es bleibt also 2018 sage und blogge eine einzige Firma, die in Europa hergestellte und zugelassene Wohnmobile für einen bestimmten Zeitraum auf dem nordamerikanischen Kontinent versichert: Thum Insurance Agency. Ich hab noch gelernt, Mitbewerber sind das Schmiermittel des Marktes … 

Jedenfalls ist man so zwar seine Wahlfreiheit los, aber zumindest läuft auch diese Abfertigung praktischerweise über SeaBridge.

 

Reisekrankenversicherung

Braucht man. Sollte man haben. Wenn man im ADAC ist – was Jo ist – bekommt man ganz anständige Konditionen.

 

Transportversicherung

Haben wir uns – warum auch immer – dagegen entschieden. Irgendwie dachten wir, da wird schon nix passieren. Aktuell (Stand: 24.05.18) sind wir uns nicht mehr so sicher. Das hilflose Auto so ganz alleine auf dem Atlantik … Jetzt ist es schon unterwegs. Hm. Muss noch mal eruiert werden.

 

Auto-Baby-Sitz

Auch so ein wundervolles Thema. Es ist nach kanadischem Gesetz Pflicht, sein Kind/Baby in einem geeigneten, zugelassenen Sitz im Auto zu befördern. So weit, so verkehrssicher. Nun sind aber in Europa verkaufte Kindersitze nicht für Kanada zertifiziert, was dazu führt, dass man, wenn man mit seinem eigenen Kindersitz in Kanada unterwegs ist und kontrolliert wird, so behandelt wird, als hätte man den Nachwuchs einfach mit ein bisschen Panzertape, Spucke und Gottvertrauen auf den Rücksitz gelötet. Horrende Geldbußen sind wohl das Mindeste, bei einem schlecht gelaunten Mounty kann es aber auch passieren, dass man einer Straftat bezichtigt wird und was das bedeutet – auch wenn Kanada keine Bananenrepublik ist – möchte man tunlichst vermeiden … Man ist also gezwungen, sich drüben ein eigenes Modell zuzulegen.

 

Besonders absurd finde ich diesen Vorgang im Fall MaxCosi. Diese Marke gehört zu Dorel Industries Inc., was eine kanadische Firma mit Sitz in Montreal ist. Neben den nordamerikanischen Departments produzieren sie für den europäischen Markt vor allem in den Niederlanden (der Niederländer Sjef van der Linden erfand einst den MaxCosi). Dorel selbst hat an der EU-Norm für das ISOFIX-Befästigungssystem mitgearbeitet. Die produzieren also weltweit ein identisches Produkt – so populär, dass es beinahe schon ein Deonym ist [vgl. Tempo, Fön, Tesa, Walkman, etc. ] –, das lediglich je nach Region einen anderen Stempel erhält, und trotzdem darf ich in Kanada dieses Produkt nicht benutzen, weil da eben ein anderer Stempel drauf ist. Globalisierung? #arschleckeneinsfuffzig

So werden wir also im Vorfeld den Online-Secondhand-Markt von Halifax sondieren, um dann in unserem auch nicht gerade großzügig getakteten Ankunftszeitraum (landen, Hotel erreichen, Auto entgegennehmen, schlafen???) irgendwo (hoffentlich!) noch den Kauf und die Abholung eines kanadischen Kindersitzes unterzubringen, weil wir Baby ToJo vorher nicht mit ins Auto nehmen können. Und es ist jetzt auch nicht so, dass Flughafen, Hotel, Hafen und Spediteur in Halifax alle im selben Kiez lägen.

Versorgung

Nahrung

Dazu gibt's nicht viel zu sagen. Baby ToJo bekommt ohnehin keine "Gläschen", weshalb das einzig möglicherweise Herausfordernde an der Nahrungssuche in Kanada (welche GLÄSCHEN bloß kaufen?????) sich erübrigt. Ansonsten Lachs, Elch und Bär in Ahornsirup …

Und mal schauen, wie sich der Campingtoaster bewährt!

 

Wasser

Sollte auch kein Problem sein. Nach den Erfahrungen der letzten Touren haben wir uns einen Schlauch zugelegt, der auch größere Distanzen überbrückt (wenn man mal nicht exakt 5 mm neben dem Wasserhahn parken kann), sowie einen Gewinde-Adapter. In einigen Foren empfohlen für Wasserhähne ohne Gewinde (z.B. an Waschbecken) wird der Wasserdieb, den wir vorsichtshalber auch mal eingepackt haben.

 

Diesel

… so lang mer'n no faare därffe, gell! Jedenfalls geistern in einigen Foren Erfahrungsberichte, dass es in Kanada nicht überall Diesel an den Zapfsäulen geben soll. Wir werden das überprüfen. Immerhin sind angeblich die Spritpreise drüben niedriger …

 

Strom

Hier wird's wieder aufregend. Dass es innerhalb der Weltgemeinschaft so viele Steckdosen-Varianten gibt wie Vorstellungen von einem "richtig guten Kaffee" ist ja bekannt. So ist man auch gewohnt, dass man z.B. das teure Macbook mittels Adapter quasi überall reinstecken kann, da sich die Netzteile fast aller Apple-Geräte automatisch auf unterschiedliche Stromspannung (Volt) und Netzfrequenz (Hertz) einzustellen vermögen. Zur Übersicht: In Deutschland haben wir 220 - 230 V bei 50 Hz, in Nordamerika kommen 110 - 120 V bei 60 Hz aus der Steckdose. Zur Erläuterung: Das JoMo verfügt über einen äußeren Anschluss, mittels dem man die Wohnraumbatterie an eine externe Stromversorgung anschließen kann (vulgo: full hook-up).

 

Nun kommen aber weder die Batterie noch die Endverbraucher (Kühlschrank, Licht, Toilettenspülung, etc.) mit der unterschiedlichen Spannung bzw. Frequenz klar. Man bräuchte also einen Transformator, den man zwischen die kanadische Stromausgabe und das Wohnmobil hängt. Das müsste dann allerdings ein Gerät sein, welches wiederum für die ausreichende Leistung (Watt) ausgelegt ist, um die ganzen genannten Verbraucher (plus Macbooks & Co.) im JoMo zu versorgen. In Foren wird ein Trafo für mindestens 3 kW empfohlen, womit man bei einem Kostenpunkt von etwa 200 € ist. Plus die ganze Adapter-Kabelei. Da haben wir doch glatt gesagt: "Trafo –Schmafo! Wir haben unsere Sonnenkollekte auf dem Dach und zur Not hängen wir die Macs mittels simplem Adapter, Verlängerungskabel und 3er-Verteiler durchs Fenster an eine normale Steckdose."

 

Nun wurde noch in einigen Erfahrungsberichten darauf hingewiesen, dass gerade an "älteren" bzw. "urigeren" oder "abseitigeren" Campgrounds keine üblichen Steckdosen sondern lediglich solche (natürlich wieder anders aussehende) für eine höhere Stromstärke (Ampere) vorhanden sein könnten – vermutlich um die fetten Ami-RVs zu versorgen. Also habe ich gestöbert und tatsächlich bei Amazon USA einen Adapter entdeckt, der für diese Fälle zwischen die Steckdose (30 A) und unseren Adapter-Stecker (15 A) gepackt wird. Ich sage bewusst "stöbern", denn selbst dieses Teil ist noch der Exot unter den Adaptern. Gängiger sind die Modelle, welche den umgekehrten Weg gehen von 15/20 A hoch auf 30 A oder 50 A. Daran sieht man sehr schön exemplarisch, auf welche Art von rollendem Flugzeugträger die Kolleg*innen da drüben normalerweise eingestellt sind. Wir jedenfalls sollten jetzt auf so ziemlich jede Eventualität vorbereitet sein – nicht nur stromtechnisch, denn der Heavy Duty Dogbone ist in der Tat so heavy, dass man ihn zur Not auch dem nahenden Tollwut-Bär noch over the Rübe ziehen kann.

 

Gas

Ein weiteres Beispiel für "Mein Land, mein Versorgungssystem!" sind Gasflaschen. Die meisten Informationen, die man in den Foren zum Thema Gas-beim-eigenen-Camper-in-Nordamerika findet beziehen sich auf Gasflaschen, die zum Grillen verwendet werden. Bis ich das bemerkt hatte, war schon die halbe Panik ausgebrochen. Vom sinnvollen Erwerb einer amerikanischen Gasflasche wird da geredet (die natürlich nie in unser Wohnmmobil gepasst hätte, weil – wie sollte es anders sein – amerikanische Gasflaschen durchweg andere Größen haben als europäische), von der Weigerung amerikanischer Tankwarte, die deutschen Flaschen zu befüllen, wird gewarnt, da sie ja nicht in den USA zertifiziert seien, komplexe Adapter-Systeme werden beschrieben und und und … 

 

Schlussendlich ist es bei uns viel einfacher, weil wir natürlich nicht mit Gas grillen wie die Suburb-Bourgeoisie sondern mit dem einzig wahren Son of Hibachi – und weil unser Gas-System analog zu gängigem Autogas qua Außenbetankung befüllt wird und die Propangasflasche qua Einbau einen automatischen Füllstop hat, der jeden kanadischen Tankwart friedlich stimmen dürfte. So benötigen wir lediglich den ACME Gewinde-Adapter, der – oh, freudige Überraschung – schon verhanden ist, da Deutschland und Nordamerika hier ausnahmsweise mal dasselbe System haben!

 

 

Wie toll auch, dass das Ding wirklich ACME heißt … 

 

Internet

Wir kommen zu Episode 3 unserer beliebten Doku-Reihe "Dinge, die wir als erstes vereinheitlichen, wenn wir einen neuen Planeten besiedeln!". An dieser Stelle: Das Interweb. "Aber wieso?" fragt der PM-Lesende, "Das Interweb ist doch überall?" Theoretisch ja. Praktisch sind auf dem Weg zum morgendlichen Twitter-Feed im Ausland einige Hürden zu überwinden.

Zunächst möchten wir natürlich in gute alter Millenials-Manier mit unserer gesamten Device-Flotte reisen: Notebooks, Tablets, Smartphones.

 

Dazu ist es am Sinnvollsten, sich einen mobilen WLAN-Router zuzulegen, in den man die ausländische SIM-Karte packt, worauf dann alle Devices zugreifen können. Absurderweise ist nun aber so, dass die wenigsten der regionalen Provider das allgemein gesteigerte Bedürfnis nach einer stabilen und bezahlbahren Datenverbindung auch außerhalb des Heimatlandes so richtig auf dem Zettel zu haben scheinen. Ich zumindest möchte auf Reisen zwar nicht unbedingt andauernd irgendwo hin telefonieren (mit wem auch?), aber mindestens 2 GB Datenvolumen pro Monat sollten schon drin sein. 

 

Es gilt also, eine reine Daten-SIM als Prepaid-Karte zu finden, die man im besten Fall recht einfach aufladen kann. Das ist (nach meiner Erfahrung) in Deutschland einigermaßen machbar, in Italien äußerst kompliziert, in Frankreich unmöglich und bisher am Einfachsten in – na? – Ägypten gewesen. Dort finden sich Stände des regionalen Providers mit genau diesem Angebot direkt am Flughafen. Zack, feddich – Interweb!

 

Lässt sich in Kanada schon schwieriger an und die Motivation, nach Ankunft erst mal einen Tag durch die verschiedenen Provider-Filialen in Halifax zu tingeln, hält sich in Grenzen. Deshalb testen wir an dieser Stelle das Angebot von SimlyStore.com, die genau das versprechen, was gewünscht ist.

Zu beachten ist hierbei, dass der kanadische Provider kein Tethering erlaubt, falls das mit dem mobilen WLAN-Router nicht klappt! Aber warum sollte es denn nicht klappen? Nun, weil verschiedene Länder (warum auch nicht?) verschiedene Frequenzbereiche für den Mobilfunk nutzen und es sein kann, dass der mobile WLAN-Router nicht für das jeweilige Frequenzband geeignet ist. Geräte in Nordamerika müssen für Mobilfunk die Frequenzen 850 MHz bzw. 1900 MHz empfangen können, für LTE die Frequenzen 1700 MHz bzw. 2600 MHz, was bei z.B. iPhones standardmäßig der Fall ist, bei mobilen WLAN-Routern jedoch nicht. Einer der beiden, die uns zur Verfügung stehen, deckt wohl zumindest einen Teil der Frequenzbereiche ab, weshalb wir es mit dem HUAWEI E5786 versuchen werden.

 

Auto-Reperatur

Ein etwas mulmiges Gefühl bekommt man auch, wenn man in den Foren liest, dass in Nordamerika selbst Fahrzeuge gleichen Modells mit anderen Komponenten ausgestattet sind als in Europa gefertigte. Das geht bis zu den Reifen, die sich in Größe und Passform unterscheiden. Selbstredend haben wir einen Ersatzreifen dabei, aber sollte wirklich etwas Gröberes kaputt gehen, kann es sein, dass Ersatzteile sehr lange (oder eben gar keine) Lieferzeiten haben. Aber das ist natürlich Schwarzmalerei, in die extremen 4WD-Gefilde werden wir ohnehin nicht vordringen und ansonsten müssen die Gelben Engel eben ihre transatlantischen Beziehungen zum CAA bemühen … 

 

Übernachten

An Campgrounds sollte es in Kanada nicht mangeln und dieser Punkt wird auch nur erwähnt, um auf den angenehmen Umstand hinzuweisen, dass WALMART (ein ansonsten aus arbeitsrechtlichen und sozialpolitischen Gründen selbstverständlich hart zu geißelnder Konzern!) es RV-ownern gestattet, auf ihren ausladenden Parkplätzen zu nächtigen. Tatsächlich nicht alle WALMARTS (und man möge vorher höflich fragen sowie im besten Fall auch mindestens eine Dose Mountain Dew konsumieren), weshalb schlaue Menschen die wunderbare Overnight Parking Walmart App entwickelt haben, mittels welcher man dem ONP zugetane und weniger zugetane Filialen finden und bewerten kann. Auch vom Erfolg oder Misserfolg dieser Unternehmungen wird an dieser Stelle einschlägig berichtet werden!

 

 

Ich hoffe, diese Auflistung hat einen kleinen Überblick verschafft. Fehlt jemandem etwas? Gibt es Fragen? Zögert nicht – die Kommentarfunktion ist aktiviert!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    TT (Montag, 28 Mai 2018 16:00)

    Ihr Lieben!
    Ich habe beim lesen der "Vorbereitungen" mehrmals die Augen verdreht aber noch öfter laut gelacht, und schon jetzt bekunde ich Euch meinen größten Respekt für diese Unternehmung!
    Ich wünsche Euch Viel Spaß und eine in jeder Hinsicht glückliche Reise!
    TT

  • #2

    daAlexFromBerlin (Dienstag, 12 Juni 2018 15:56)

    Mensch, ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen beim Durchlesen... echt Super!!!
    Wir sind damals mit Claudia vor unserer Südamerika ähnliches durchgegangen - tausenden von (nutzlosen?) Foren durchlesen und hoffen dass irgendwie schon alles glatt laufen wird :)
    Freue mich auf mehr solche Beiträge, genial!!!