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Die Idee

Etwa ein Jahr bevor sie schwanger werden hegen ToJo den dringenden Wunsch, in absehbarer Zeit eine größere Reise zu unternehmen. Möglichst über den Ozean soll's gehen und im eigenen Camper soll's sein. Tim's Berufsfeld – eine Liaison zwischen dem Druck der Auftragslage und der Mündigkeit der Freiberuflichkeit – machen eine frühe Planung bzw. Blockade notwendig. Im Sommer 2018 soll mindestens 3 Monate gereist werden – komme, was wolle!

 

Und es kommt, was will: Baby ToJo erblickt 2017 das spätsommerliche Licht einer mittelgroßen deutschen Stadt und bestimmt folgerichtig den weiteren Kurs der Familie. Schnell ist klar, dass die Reise-Pläne dadurch keineswegs ins trübe Wasser eines deutschen Binnenstroms fallen – im Gegenteil! Das Alter zwischen 9 und 12 Monaten erscheint uns geradezu prädestiniert für einen ausgedehnten Trip. Das Kind ist im besten Fall auf dem Höhepunkt seiner körperlichen Verfassung, seines Lernwillens, seiner Neugier und seines Erkundungsdrangs, so dass eine Fahrt durch die schönen Teile der Welt wie ein endloser Besuch auf einem sich immer wieder veränderten Spielplatz ist. Ausserdem werden wir aufgrund des Stillens nahrungstechnisch noch weitestgehend autark sein (obwohl Baby ToJo auch bereits mit Hingabe alles andere verputzt, was sich mit zwei unteren Schneidezähnen und der Kiefermuskulatur eines mittelschweren Alligators zu einer breiigen Masse zerquetschen lässt), konkret artikulierte Präferenzen der Freizeitgestaltung wird es wohl auch noch nicht geben (Hauptsache: Bewegung! Bewegung! Bewegung!) und die wichtigsten Bezugspersonen (Jo & Tim) sind immer in Sicht- und Kuschelweite.  

 

Natürlich wollen auch die Gegenstimmen Gehör finden: "WAAAAAS?! DREI MONATE VERREISEN MIT EINEM BABY?!! WIE EGOISTISCH!!! IHR MACHT EUCH SCHÖN DEN LENZ UND DAS BABY HAT GAR NIX DAVON!! DAS KANN SICH JA DANN SPÄTER NICHT MAL DA DRAN ERINNERN! AUSSERDEM BRAUCHEN BABIES STABILITÄT UND KONTINUIERLICHKEIT! WENN BEI EUERM KIND DANN SPÄTER ENTWICKLUNGSTÖRUNGEN AUFTRETEN, SEIT IHR SCHULD!!!!1111!!!1!1!"

 

Zugegeben, in dieser Ausprägung hat es uns niemand ins Gesicht gesagt, aber solche oder ähnliche Kommentare finden sich im Interweb, wenn man nach Erfahrungsberichten zum Thema Reisen mit Kleinkindern sucht. Und dass ein Baby so rein gar nichts von einer Fahrt durch Natur und Kultur haben soll, wage ich zu bezweifeln. Es gibt bestimmt noch Aufregenderes zu erleben, als im Sandkasten um die Ecke, der an allen Ecken und Kanten gesicherten Wohnung oder dem x-ten Babyschwimmen im gechlorten Hallenbad. Und natürlich wird es später keine konkreten Erinnerungen abrufen und mitteilen können im Sinne von: "Wisst Ihr noch, Mama und Papa, als Ihr an Tag 26 im Kluane-Nationalpark mit dem roten 15-Gramm-Blinker den 90-cm-Lachs aus dem Yukon gezogen haben – ich hab noch genau den Geschmack auf der Zunge!" Dennoch wird es Eindrücke über Eindrücke geben, die wohl nicht spurlos an der kleinen, sich im Aufbau befindlichen Festplatte vorbei gehen werden. Und ich frage mich ernsthaft, was für die oben erwähnten Kommentator*innen Stabilität bedeutet. Die immer gleiche Weg vom Gitterbettchen mit dem Babyphone zum Laufstall mit dem buntem Plastik-Lern-Spielzeug zum 120-Liter-Kühlschrank mit den Spaghetti-Bolo-Gläschen zum Kinderwagen für die tägliche Spazierfahrt zwischen 12:07 und 13:32? Ohne das alles schlechtreden zu wollen – wir haben die Erfahrung gemacht, dass einige gemeinsame Rituale und die wichtigste(n) Bezugsperson(en) das sind, was zumindest Baby ToJo glücklich sein lässt – ganz gleich in welcher Umgebung. Und wenn wir beide – Jo & Tim – einmal gleichzeitig unsere beiden Jobs komplett vergessen, alle Gedanken an den nie zu erlangenden KiTa-Platz, die nächste Umsatzsteuervoranmeldung, oder diese und jene Verpflichtung komplett außen vor lassen und uns für 3 Monate nur auf die Zeit und das Erleben in unserer kleinen Familie konzentrieren können – da soll mir erst mal einer beweisen, dass ein Kind diese Entspanntheit nicht spürt.

 

Kurz und gut: Es wird also knapp 2 Jahre gepart um diese 3 Monate des gemeinsamen Raus-aus-allem möglich zu machen. Denn auch das vierte Familienmitglied (ein ausgebauter Citroën Jumper namens JoMo) darf nicht vergessen werden! Und wie sich noch herausstellen wird, kann es um einiges komplizierter sein mit dem eigenen Auto zu verreisen als mit dem eigenen Baby … 

 

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